Ausbeutung – leider heutzutage noch weit verbreitet in der Welt. Während Ausbeutung auch in kleinerem Stile für einkommensschwächere Menschen, Frauen, Migrant:innen und marginalisierte Gruppen auch hierzulande an der Tagesordnung ist, ist Ausbeutung vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern fester Bestandteil der Gesellschaft. Ein großer Teil unseres Konsums fußt auf der Ausbeutung von Armen, Kindern, natürlichen Ressourcen und Tieren aus aller Welt. Und das alles passiert nur aus einem Grund: Damit wir bei Primark für 2 Euro ein T-Shirt kaufen und im kalten Winter wärmende Tierfelle tragen können.

Was ist Ausbeutung?

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung spricht man von Ausbeutung, „wenn ein Arbeiter für seine Arbeit einen unzureichenden Lohn erhält […] und auch wenn er zum Beispiel mehr und länger arbeiten muss, als es in seinem Vertrag steht, ohne dass er dafür mehr Geld bekommt, spricht man von Ausbeutung“.[1] Ausbeutung erleiden jedoch nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und unsere Umwelt.
Ausbeutung von Armen und Kindern

Die Bundeszentrale für politische Bildung „Ausgebeutet werden aber nicht nur einzelne Menschen, sondern auch ganze Völker und Staaten. In der Zeit des Kolonialismus vergrößerten die europäischen Kolonialstaaten ihren Wohlstand durch die Ausbeutung der beherrschten Kolonien in Amerika, Asien und Afrika. Diese mussten ihre Rohstoffe und ihre Arbeitsleistung zu unfairen Bedingungen an die Kolonialstaaten abgeben“.[2] Aber nicht nur während des Kolonialismus wurden Menschen ausgebeutet. Auch heute gibt es noch Menschenhandel und Zwangsarbeit. „2016 mussten nach Schätzungen des Global Slavery Index weltweit über 40 Millionen Menschen gegen ihren Willen ackern – und das, obwohl Sklaverei eigentlich in jedem Land der Welt offiziell verboten ist“.[3] Ob in Minen, Steinbrüchen, dunklen „Sweat Shops“ oder auf dem Feld in der prallen Sonne: Insbesondere Arme und deren Kinder werden weltweit für unseren Konsum ausgebeutet.
„Produkte aus Sklavenhand finden sich überall in unserem Alltag: in unseren Smartphones, unseren T-Shirts oder unserem Morgenkaffee. […] Auf www.slaveryfootprint.org kann sich jeder ausrechnen lassen, wie viele persönliche Sklaven für seinen Konsum arbeiten müssen. Das Hauptproblem dabei sind oftmals die Lieferketten. Viele Produzenten achten nicht darauf, woher die Baumwolle für ihre Shirts, die Kaffeebohnen im Latte Macchiato oder die Metalle, die im Smartphone stecken, kommen. […] Die Ursache für diese Verbrechen gegen die Menschenwürde ist wie so oft Armut. Menschen in Entwicklungsländern wie Pakistan oder Kambodscha müssen sich oft für Dinge verschulden, die wir einfach aus der Portokasse zahlen können. Wenn zum Beispiel in der Familie jemand krank wird und ein bestimmtes Medikament braucht, dann kostet das für dortige Verhältnisse oft ein Vermögen“.[4]
Ausbeutung von Natur

„Auch in der Ökologie gibt es den Begriff der Ausbeutung. Gemeint ist damit der Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Erde wie Holz oder Erdöl. Diese können nicht so schnell nachwachsen, wie sie von den Menschen verbraucht werden“.[5] So werden mehr Bäume gefällt, mehr Grundwasser abgepumpt, mehr Sand abgebaggert und mehr Kohle und Öl abgebaut, als diese Ressourcen natürlich wieder nachwachsen bzw. entstehen können. Durch die Rodung von Wäldern für einen immensen Papierverbrauch und mehr tierische Landwirtschaftsfläche, den Bau von Brunnen für Profit (wie z.B. durch Nestlé[6]) und den unaufhörlichen Abbau von jeglichen Rohstoffen für Technik, Plastik und Mobilität beuten wir tagtäglich unsere Umwelt aus. Während Bäume und weitere Pflanzenprodukte neu gepflanzt werden, können andere Rohstoffe wie Erdöl nicht so einfach reproduziert werden. Auch das teils extreme Abpumpen von Grundwasser[7] führt zu mehr Trockenheit und allmählich zur Verwüstung von mehr Regionen weltweit. Durch den Konsum von bestimmten Marken Flaschenwasser, durch den Kauf billiger Möbel und Kleidung und durch die Verwendung von Einwegprodukten wie Plastikbesteck und Servietten tragen wir täglich ein Stück weiter zur Ausbeutung des endlichen Ressourcenpools unseres Planeten bei.
Ausbeutung von Tieren

Tiere werden ebenfalls weltweit für verschiedene Zwecke und Produkte gezüchtet und ausgebeutet. „All diese Produkte geben die Tiere dem Menschen nicht freiwillig. So wollen Kühe, Schafe und Ziegen mit ihrer Milch ihre Babys ernähren. Hühner, Enten und Gänse legen Eier zur Fortpflanzung. Daunen, Fell und Haare sollen die Tiere wärmen. Honig dient Bienen als Nahrung, und Raupen spinnen einen Kokon aus Seidenfäden, um sich darin zu einem Falter zu entwickeln. Auch möchte kein Tier wegen seines Fleisches oder seiner Haut getötet werden“.[8] Diese Ausbeutung findet sich sowohl in der Ernährungsindustrie (siehe auch den Beitrag „Pflanzliche Ernährung – Einfach erklärt“ vom 09. März 2023) und der Forschung, als auch in der Bekleidungs- und Unterhaltungsindustrie (z.B. Zirkusse, Zoos, Pferderennen, Stierkämpfe oder Kutschfahrten für Touristen) statt.
So werden Haie gefangen, deren Flossen abgeschnitten und die Tiere – ohne Flossen zum Sterben verurteilt! – wieder zurück ins Meer geworfen, um eine traditionelle Haiflossensuppe zu kochen („Finning“). An anderer Stelle, leider auch sehr viel in Europa, „werden Nerze, Füchse oder Marderhunde in winzige, karge und verdreckte Drahtgitterboxen gepfercht, in denen sie sich kaum bewegen können und immer nur Gitterstäbe unter den empfindlichen Pfoten spüren. Sie sind gezwungen, ihr ganzes Leben im Geruch ihrer eigenen Exkremente zu verbringen und haben keinerlei Möglichkeit, ihren natürlichen sozialen Verhaltensweisen nachzugehen“.[9] All das, um einen schönen Pelz zu tragen. Leider sehen die Bedingungen für Leder, Daunen und Wolle oft nicht besser aus. Was viele nicht wissen: Bei der Herstellung von Seide werden Raupen im Kokon oft lebendig gekocht.
Was wir dagegen tun können

Letzten Endes kann nicht jeder von uns den Konsum von aus Ausbeutung stammenden Produkten verhindern. Häufig ist nicht bekannt, woher bestimmte Produkte stammen, und häufig sind Produkte aus Ausbeutung um ein vielfaches günstiger, als solche, die fair hergestellt wurden. Es gibt jedoch immer mehr Unternehmen, die vermehrt auf ihre Lieferketten und die Nachhaltigkeit ihrer Produkte achten. Firmen wie Fairphone oder HessNatur arbeiten transparent an mehr Nachhaltigkeit im Konsum. Auch Online-Shops wie der Avocadostore oder Nachhaltigkeitsseiten wie Utopia können uns bei der Wahl von fairen Produkten ohne Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur unterstützen.
Der nachhaltigste und für den Geldbeutel schonendste Konsum ist gar kein Konsum. Das bedeutet nicht, dass wir uns nichts mehr kaufen oder auch mal etwas gönnen dürfen. Wir können aber unseren Konsum hinterfragen, Dinge wieder – wie unsere Eltern und Großeltern – länger nutzen und lieber weniger, aber dafür nachhaltigere Produkte kaufen. So können wir über Kleidertausch, Second Hand, Upcycling oder Refurbished-Produkte qualitativ hochwertige Produkte für einen guten Preis erwerben (siehe auch den Beitrag „Klimafreundlich shoppen – und sparen“ vom 14. März 2023).
Wie habt ihr schon mit eurem Konsumverhalten die Welt ein kleines Stückchen besser gemacht?
Quellen
[1] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/319875/ausbeutung/ (Stand 14.03.2023)
[2] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/319875/ausbeutung/ (Stand 14.03.2023)
[3] https://www.br.de/puls/themen/welt/moderne-sklaverei-100.html (Stand 14.03.2023)
[4] https://www.br.de/puls/themen/welt/moderne-sklaverei-100.html (Stand 14.03.2023)
[5] https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/319875/ausbeutung/ (Stand 14.03.2023)
[6] https://utopia.de/bottled-life-nestles-geschaefte-mit-wasser-12072/ (Stand 14.03.2023)
[7] https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/-/weltwassertag-2022-zehn-fakten-ueber-wasser/275338 (Stand 14.03.2023)
[8] https://www.peta.de/themen/nutztiere/ (Stand 14.03.2023)
[9] https://www.peta.de/themen/pelz/ (Stand 14.03.2023)
