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Ja, ich stopfe manche meiner Strümpfe und flicke Löcher in meiner Kleidung und der Kleidung meiner Kinder. Zwar nicht so gut wie meine Mutter oder gar meine Oma es noch konnten, aber immerhin so, dass wir diese Kleidung noch eine Weile tragen können.

Wir haben Lieblingsstücke, deren Leben wir dadurch immer wieder verlängern können. (In schwierigeren Fällen durch die Kunst einer Schneiderin, die glücklicherweise in Laufnähe solche Ausbesserungen professionell und günstig macht.) Old School? Oder ein richtiger Schritt in Richtung nachhaltig leben?
Ich denke oft, ich habe eigentlich überhaupt keine Zeit, auch noch Wäsche zu flicken. Viel schneller ist da ein neues T-Shirt oder eine neue Bluse gekauft. Wenn ich aber genau hinschaue, braucht so ein Einkauf im Grunde viel mehr Zeit.
Warum kaufen wir lieber etwas, als es auszubessern?
Kaufen macht glücklich und verschafft uns Befriedigung, das wissen wir durch die Psychologie. Neue Kleidung tut uns gut, verändert oder unterstreicht unseren Typ. Damit können wir uns belohnen oder ablenken und das Neu Kaufen hat damit eine wichtige psychologische Funktion inne. Besonders empfänglich sind wir für sogenannte Schnäppchen. Allerdings füllen sich dadurch rasch alle verfügbaren Schränke und Schubladen. Schnell und billig gekauft kann das Glück auch schnell zum Schrankhüter werden, der schlimmstenfalls entsorgt wird und den Müll anwachsen lässt. Ganz zu schweigen von den oft schwierigen Produktionsbedingungen in Ländern wie Bangladesh und Indien, die wir damit unterstützen, welche aber oftmals alles andere als sozial verträglich und umweltfreundlich sind.
In einem der Eine-Welt-Gottesdienste in der Friedenskirche im vergangenen Jahr wurden wir über die verschiedenen Textil-Labels informiert, die Nachhaltigkeit und Fairness in Produktion und Handel auszeichnen. Das hilft bei der Orientierung, ganz klar. Oftmals sind solche Kleidungsstücke erstmal teurer – mit besserer Qualität und längerer Lebenszeit können sie dies allerdings oft wieder wettmachen.
Für mich gilt daher ganzjährig das Motto, welches zur Fastenzeit passt: Weniger ist mehr. Eine Belohnung zwischendurch darf sein, am liebsten bei meiner Lieblings-Designerin, die inzwischen auch ökologisch produziert.

Eine besonders schöne Lösung, die dem Kreislauf-Gedanken nachgeht und sogar Projekte in anderen Ländern unterstützt, sind die Läden von Oxfam. Einer ist ganz in unserer Nähe. Ich bringe dort immer wieder aussortierte gute Kleidung hin. Diese gebrauchte Ware wird dort von Ehrenamtlichen sortiert, schick präsentiert und wiederverkauft. Im Laden ist immer viel los. Und ich selbst habe dort bei der getragenen Kleidung schon einige Schnäppchen gemacht, die mir zu Lieblingsstücken wurden und ein wirkliches Glücksgefühl verschafft haben – mit dem Wissen, mit meinem Einkauf etwas bewirkt zu haben.
So kann weniger kaufen mehr sein, aber auch anders kaufen mehr sein.
Für die Umwelt und für mich selbst.
Geflickt wird weiter, vor allem Lieblingsstücke.
