Was das Klima mit Gerechtigkeit zu tun hat

Das Leben ist ungerecht – das haben sich viele das ein oder andere Mal gedacht. Sei es die Ungleichbehandlung beim Gehalt, der Stau auf dem Weg zu einem wichtigen Termin oder die (meist subjektiv) ungerechte Notenvergabe bei einer Schulaufgabe. Die meisten von uns haben sich bereits ungerecht behandelt gefühlt. Auch in den Medien hat Gerechtigkeit einen höheren Stellenwert: Gerechtigkeit zwischen den Generationen, Gerechtigkeit für alle, Bildungsgerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, Wohnungsgerechtigkeit… Es gibt in Deutschland und in der Welt viele als ungerecht geltende Unterschiede. Die täglichen Nachrichten zeigen, dass das Thema Gerechtigkeit ein zentraler Wert unserer Gesellschaft ist.

Was bedeutet (Un-)Gerechtigkeit

Gemäß der Bundeszentrale für politische Bildung „bezeichnet [Gerechtigkeit] das Verhalten eines Menschen oder eine soziale Gegebenheit, die subjektiv als gerecht beurteilt wird. [Gerechtigkeit] ist insofern eine Tugend“. Im politischen Kontext ist Gerechtigkeit „ein zentraler Grundwert und oberstes Ziel des Rechtsstaates, das als Ordnungs- und Verteilungsprinzip immer wieder neu bestätigt und angewandt werden muss“1.

Gerechtigkeit ist also ein für viele wichtiger Wert mit subjektiver Bedeutung. Das Streben danach ist für Christ:innen und Angehörige anderer Religionen sowie für Ehrenamtliche ein zentrales Ziel. Sei es Gleichberechtigung, Menschenrechte, die Bekämpfung von Armut und Korruption oder die Hilfe nach humanitären Katastrophen – Gerechtigkeit ist in aller Munde.

Klimagerechtigkeit – Nachhaltigkeit für mehr Gerechtigkeit in der Welt

© Fridays for Future

Eine immer wichtiger werdende Form der Gerechtigkeit ist die sogenannte Klimagerechtigkeit. „Klimagerechtigkeit bedeutet, die Klimakrise als Frage sozialer Gerechtigkeit zu verstehen. Klimagerechtigkeit beschreibt die ungleiche Verteilung sowohl von Verantwortung für die Klimakrise als auch von der Betroffenheit durch die Folgen der Klimakrise. Neben dieser weltweiten Ungerechtigkeit zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden beinhaltet Klimagerechtigkeit auch die Verstrickung der verschiedenen Diskriminierungsformen mit der Klimakrise und verbindet die sozialen und ökologischen Kämpfe miteinander“2.

Dass Klimagerechtigkeit uns alle etwas angeht, haben auch die Kirchen für Klimagerechtigkeit verstanden: „Die christliche Perspektive nimmt uns in die Mitverantwortung für die Schöpfung. Durch die Verbundenheit der Kirchen mit dem globalen Süden – vor allem durch die Eine Welt Arbeit – stehen wir als kirchliche Organisationen in der Verantwortung für Klimagerechtigkeit. Wesentliche Ansätze sind die ‚Ethik des Genug‘ und das ‚Gute Leben für Alle‘.Eine klimagerechte Zukunft muss sich daher an den Bedürfnissen der Ärmsten, der nachfolgenden Generationen und der Mitwelt orientieren und beinhaltet die folgenden Arbeitsfelder:

  • Förderung einer kohlenstoffarmen Entwicklung sowie des Klima- und Ressourcenschutzes
  • Erhöhung der Widerstands- und Anpassungsfähigkeit (Klimaresilienz)
  • Menschenrechtsbasierte Bewältigung von Klimarisiken und -schäden“3

Was bedeutet das für uns?

© Pixabay

Klimagerechtigkeit bedeutet also, weltweit soziale Gerechtigkeit durch Klimaschutz zu ermöglichen. Damit soll verhindert werden, dass arme Länder am Konsum reicher Länder leiden. Warum? Da erstere die Folgen des Klimawandels zuerst spüren, aber am wenigsten daran Schuld sind und durch die Globalisierung benachteiligt werden. Dadurch, dass reiche Länder wie Deutschland und andere Industrienationen den größten Schaden am Klima anrichten, fängt der Klimaschutz genau bei uns vor der Haustür an. Das haben bereits viele gemeinnützige Organisationen (wie z.B. Fridays for Future, Greenpeace und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)) und auch einige Kirchen (wie z.B. das Ökumenische Netzwerk Klimagerechtigkeit) erkannt. In den folgenden Wochen möchten wir mit dem Fastenkalender dabei helfen, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schärfen und durch Tipps und die Vorstellung von hoffnungsbringenden Initiativen den Zugang dazu zu erleichtern.

Klimaschutz kann durch kleine und große Veränderungen im Alltag erfolgen: Durch einen nachhaltigen und bewussten Lebensstil in den Bereichen Energie (siehe Woche 2), Ernährung (siehe Woche 3), Konsumverhalten (siehe Woche 4), Investitionen und Kredite (siehe Woche 5) sowie in der Mobilität (siehe Woche 6) können wir in unserem Alltag im Rahmen unserer Möglichkeiten unseren eigenen Beitrag zu etwas mehr Klimagerechtigkeit leisten. Wie hat sich euer Alltag schon verändert?