Im Trend – immer das Neueste haben

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Mein erster Gedanke zum heutigen Thema war „Trends sind schlecht, die ganze Verschwendung und wieso das Ganze überhaupt?“. 

Darin stecken einige Gründe dafür, Trends an sich vorüberziehen zu lassen. Wenn Kleidungsstücke billig produziert und dann nur eine Saison lang getragen werden, nimmt die Liste der Probleme kein Ende: unwürdige und gefährliche Arbeitsbedingungen, unzureichende Bezahlung der Arbeiter*innen, Giftstoffe, Emissionen durch den Transport, Müllberge… Ähnliches gilt für technische Geräte oder andere Produkte, die gehypt und dann vergessen werden. Nicht zu vergessen: all diese Dinge nehmen unsere Zeit und Gedanken in Anspruch, kosten Geld und nehmen Platz weg.

So weit so gut – oder in diesem Fall schlecht. Mir ist wichtig zu betonen, dass ich keines der Probleme rund um Trends kleinreden möchte. Die aufgeführten Gründe wiegen schwer.

Am liebsten würde ich sagen, dass ich noch nie an Trends interessiert war und „da total drüber steh“ – aber das wäre gelogen. Trends haben mich als Jugendliche und in den darauffolgenden Jahren sehr beschäftigt. Ich wollte so sein, wie die anderen Mädchen, die „coolen Kids“ oder die unglaublich souverän wirkenden Kommilitoninnen an der Uni. Doch immer, wenn ich ein „cooles“ Kleidungsstück anprobierte, passte es nicht an meinen Körper oder ich fühlte mich darin unwohl. Mit der Zeit habe ich meine Versuche aufgegeben. Das Gefühl, klein und einsam zu sein, blieb. Mittlerweile habe ich verstanden, warum: es ging nicht um die Trends selbst. Es ging um Zugehörigkeit.

Bei allen triftigen Gründen, die gegen Trends sprechen, treten bei näherer Betrachtung weitere Facetten hinzu. Zugehörigkeit zum Beispiel. Wenn wir dieselbe Kleidung wie Andere tragen, uns mit denselben Themen beschäftigen oder dasselbe Tiktok-Video drehen, fühlen wir uns zugehörig und mit ihnen verbunden. Wir teilen etwas mit ihnen. Wir alle wissen, wie wichtig das ist. Zugehörigkeit und Verbundenheit sind grundlegende Bedürfnisse des Menschen.

Trends sind auch Ausdruck von Zeitgeist. Insbesondere in der Mode spiegeln sich gesellschaftliche Entwicklungen wider. Dass Frauen heutzutage Hosen tragen, hat unter anderem damit zu tun, dass vor hundert Jahren ein paar Frauen damit angefangen haben und immer mehr ihnen folgten. Die Hosen spiegelten ein neues Frauenbild wider – und trieben gleichzeitig die gesellschaftlichen Entwicklungen hin zu Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frauen weiter.

Was ich mit diesen Beispielen sagen möchte, ist: Trends sind ein facettenreiches Phänomen. Mit ihnen kann Zerstörung angerichtet werden. Es liegt aber auch die Kraft in ihnen, Zugehörigkeit zu stiften, Ausdruck für Dinge zu finden, die uns bewegen und nachhaltige positive Veränderungen anzustoßen.

Ich lade Euch dazu ein, Euch mit mir Gedanken zu machen. Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Welche Trends sind zu lieben Gewohnheiten geworden oder zu wertvollen Erinnerungen? Welche Wege können zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Trends führen? Wie können wir zerstörerischen Trends begegnen? Wie können wir ihre Kraft zum Positiven nutzen?

Hannah Kesselmeyer